Unternehmensbefragung der Stadt Fürth 2016

Betreff
Unternehmensbefragung der Stadt Fürth 2016;
1. Handlungsempfehlungen
2. Kurzvortrag Herr Rother, GEFAK
Vorlage
AWS/027/2016
Art
Beschlussvorlage - SB

Der Wirtschafts- und Grundstücksausschuss nimmt den Vortrag des Wirtschaftsreferates zu­stimmend zur Kenntnis und spricht sich für vorgeschlagene Umsetzung der aus der Unterneh­mensbefragung 2016 resultierenden Handlungsempfehlungen (Fachkräftesicherung / Wohn- und Gewerbeflächen / Breitbandversorgung) aus.

Die Verwaltung wird beauftragt zum Thema „Fachkräftesicherung“ in Abstimmung mit den rele­vanten Akteuren zur Beschäftigungsförderung unter dem Vorbehalt einer befristeten personellen Verstärkung eine Netzwerkplattform für die hiesigen Unternehmer aufzubauen.

Die Verwaltung wird zudem beauftragt, einen Kriterienkatalog zum Verkauf städtischer Gewerbe­flächen zu erarbeiten und den Gremien zum Beschluss vorzulegen.

 

Das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (AWS) hat 2016 in Zusammenarbeit mit der GE­FAK Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung mbH nach zuletzt 2008 wieder eine umfangreiche Unternehmensbefragung unter den Fürther Unternehmen durchgeführt. Aufbau­end auf die beim AWS installierte Unternehmensdatenbank wurden branchenübergreifend rund 1400 Fürther Betriebe zu einer Vielzahl an Themenfeldern (Standortzufriedenheit, Entwick­lungspläne, Flächenbedarf, Fachkräfte, Kooperationen, Nachhaltigkeit, Anforderungen an die Wirtschaftsförderung) befragt. Zusätzlich zu den gezielt angeschriebenen Unternehmen wurde allen Fürther Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, sich online an der Befragung zu beteiligen. Der Rücklauf von 380 Fragebögen (ca. 28 %) zeigt das hohe Interesse der Fürther Wirtschaft, sich aktiv zu wichtigen Themenfeldern am Wirtschaftsstandort Fürth einzubringen. Die Präsen­tation der Ergebnisse der Unternehmensbefragung erfolgte an einem eigens veranstalteten Unternehmenstag am 24.11.2016 in der Stadthalle Fürth. Dabei konnten über 200 interessierte Vertreter Fürther Unternehmen zur Ergebnispräsentation und zum Netzwerken begrüßt werden. Zudem konnten sich die Unternehmen an verschiedenen Informationsständen (IHK, Ar­beitsagentur, Jobcenter,  Institut für freie Berufe, BDS AZUBIAkademie, Metropolregion Nürn­berg, Elan, Projektbüro für Schule und Bildung, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung) zu einer Vielzahl an wirtschaftlichen Themenfeldern und Angeboten informieren. Die Reaktionen der Unternehmensvertreter als auch der Aussteller zum Fürther Unternehmenstag waren dabei durchwegs äußerst positiv.

 

Nach Auswertung der Fragebögen durch die GEFAK kristallisierten sich drei Schwerpunktthe­men heraus, die von den Fürther Unternehmen als besonders wichtig erachtet werden und bei denen zusätzlicher Handlungsbedarf gesehen wird.

 

 

Fachkräftesicherung

 

Die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte zählt zu den drei wichtigsten Standortfaktoren in Fürth. Gleichzeitig ist die Zufriedenheit der Betriebe in diesem Bereich unterdurchschnittlich. 156 Betriebe, die ihren Bedarf quantifiziert haben, suchen knapp 1.100 Arbeitskräfte. Hauptziel­gruppen sind dabei Auszubildende, technische Facharbeiter und Fachkräfte mit medizinisch-sozialer Ausbildung. Gerade in diesen Bereichen befürchten die Unternehmen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Darüber hinaus verfügt ein Großteil der Unternehmen über keine bzw. unzureichende Kontakte zu Schulen oder Hochschulen, um ihre Angebote an Aus- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten in geeigneter Weise präsentieren zu können. Somit besteht die Erwartung insbesondere an die städtische Wirtschaftsförderung, Möglichkeiten zu entwickeln, mit deren Hilfe sich die Unternehmen im Internet präsentieren können und gleichzeitig die An­werbung von Arbeitskräften gezielt initiiert werden kann.

 

Unter diesem Hintergrund könnte die Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit der GEFAK mit den Tools KWIS.job und KWIS.web als Ergänzung zur bereits eingesetzten Software KWIS.net eine Lösungsmöglichkeit anbieten, die es Fürther Unternehmen ermöglicht, sich als Arbeitgeber zu präsentieren und gleichzeitig deren Angebote an offenen Stellen, Ausbildungs­plätzen, Ferienjobs, Praktika etc. für Fachkräfte, Studenten Schüler etc. zugänglich zu machen.

Mit KWIS.job können zudem einschlägige Veranstaltungen (Ausbildungsmessen, Girl´s Day, Tag des offenen Unternehmens etc.) über das Internet (auch mobil über Smartphone) darge­stellt werden. Dabei können Anmeldung/Registrierung, Teilnahmebestätigung etc. ebenfalls zentral über KWIS.job abgewickelt werden. Ebenfalls dargestellt werden könnten auch die 150 Betriebe, die Möglichkeiten zur Beschäftigung von Flüchtlingen sehen. Mit KWIS.job würde zu­dem die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zur Beschäftigungsförderung (v.a. Agentur für Arbeit, Jobcenter) intensiviert und gefördert werden. Die Agentur für Arbeit hat im Rahmen einer Nachbetrachtung zum Fürther Unternehmenstag bereits hohes Interesse hinsichtlich einer Be­teiligung und Verknüpfung zu den bei der Agentur vorhandenen Angeboten signalisiert. Darüber hinaus könnten die bereits in Fürth existierenden Netzwerke (z.B. Vertrauensnetzwerk Schule-Beruf) ebenfalls mit eingebunden werden.

 

Mit der Darstellung von Unternehmensdaten im Internet würde die Wirtschaftsförderung einen wertvollen Service für Wirtschaft und Bürger erbringen.  Mit KWIS.web würden nicht nur Unter­nehmenskooperationen gefördert, sondern gleichzeitig die Wahrnehmung der Fürther Wirt­schaft bei Investoren, Unternehmen und Bürgern erheblich verbessert und eine Stärkung regio­naler Wirtschaftskreisläufe erreicht werden. Mit der Verzahnung zur bereits genutzten Daten­bank KWIS.net würde darüber hinaus eine doppelte Datenhaltung und -pflege vermieden.

 

Laut einem Angebot der GEFAK belaufen sich die Kosten für die Einrichtung und Anbindung von des Softwarepakets KWIS.job und KWIS.web an die Datenbank KWIS.net auf einmalig rund 14.500 € netto, die seitens AWS aus Rücklagen finanziert werden können. Die laufenden jährlichen Kosten für Wartung und Betreuung des zusätzlichen Softwarepakets i.H.v. knapp 1.200 € wären aus dem laufenden Etat der Wirtschaftsförderung finanzierbar.

 

Allerdings bedeutet die erstmalige Einrichtung und Verknüpfung in Verbindung mit den zeitauf­wändigen Vorarbeiten (Aquise bei Unternehmen, Bildungsträgern, Netzwerken etc.) einen sehr hohen zeitlichen Aufwand, der mit dem bei AWS vorhandenen Personal nicht leistbar ist. Um die gewünschte und notwendige zügige Umsetzung dieses Projektes zu gewährleisten, ist eine zusätzliche, auf ca. 3 Jahre befristete Vollzeitstelle in der Wirtschaftsförderung zwingend erfor­derlich.

 

Im Hinblick auf den auch in den nächsten Jahren zunehmenden Fachkräftebedarf empfiehlt die Wirtschaftsförderung zur Unterstützung der örtlichen Wirtschaftsunternehmen dringend die Um­setzung der vorgeschlagenen Handlungsempfehlung und die Zurverfügungstellung der Inter­netplattform als Unternehmens- und Fachkräfteportal sowie als Veranstaltungstool für die Fürther Wirtschaft.

 

 

Wohn- und Gewerbeflächen:

 

Unabhängig von den Ergebnissen der Unternehmensbefragung setzt sich das Wirtschaftsrefe­rat seit Langem für die Schaffung und den Erhalt von Gewerbeflächen ein. Einhergehend mit den starken Bevölkerungszuwächsen der vergangenen Jahre wird versucht, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen Schritt zu halten. Ziel soll es sein, zwischen Wohnen und Arbeiten möglichst kurze Wege zu haben, ein Auspendeln zu vermeiden und die Kaufkraft in Fürth zu binden.

Durch die zunehmende Wohnraumverdichtung wird es immer schwieriger, robuste Gewerbeflä­chen zu erhalten und zu schaffen. Insbesondere Handwerks- und Produktionsbetriebe sollten ihren Tätigkeiten nachgehen können, ohne durch ihre Lärmemissionen mit der angrenzenden Wohnbevölkerung in Konflikt zu geraten.

Der Schwerpunkt der Anfragen lag in den letzten Jahren bei einer Größe von 1.000 bis 2.000 m². Diese mussten abgelehnt werden, da keine entsprechend kleinen Parzellen vorhanden wa­ren.

 

Das Wirtschaftsreferat hat folgende Ziele:

 

  1. keine Umwandlung von Gewerbebrachen in Wohnen, wenn das Umfeld auch zukünftig für Gewerbe geeignet ist.

 

  1. Schaffung angebotsgerechter Gewerbeflächen, die der Nachfrage entsprechen:

Hier wurde bereits für das neu entstehende Gewerbegebiet Main-/ Rezat-Straße ge­meinsam mit dem Baureferat eine Erschließung geplant, die die Parzellierung kleinerer Flächen ermöglicht. Größere Flächen werden nach der Sanierung wieder im Golfpark zur Verfügung stehen.

 

  1. Verantwortungsvoller Umgang mit knappen Gewerbeflächen

Die Flächen des Gewerbegebietes Main-/ Rezat-Straße befinden sich bald vollständig im städtischen Eigentum. Die Verwaltung empfiehlt, für die Vermarktung städtischer Gewerbeflächen einen verbindlichen Vergabekriterienkatalog zu erstellen. Demnach sollen für den Verkauf der Flächen anhand eines Fragebogens Kriterien wie Anzahl der Arbeitsplätze, Höhe der Gewerbesteuerzahlung etc. herangezogen werden.

 

 

Breitbandversorgung

 

Bei der Unternehmensbefragung 2016 haben 55 Unternehmen die Breitbandversorgung als schlecht bzw. sehr schlecht bewertet.

Die Stadt Fürth beteiligt sich am Bayerischen Förderprogramm zum Ausbau des schnellen In­ternets. In ca. einem Jahr sollen die Baumaßnahmen beendet sein.

Von dem Förderprogramm werden 21 der 55 Unternehmen profitieren. Für 18 Unternehmen werden Übertragungsraten von mind. 50Mbit/s im Download und 2 Mbit/s im Upload erreicht werden.

Weiteren 29 Unternehmen werden im Rahmen des eigenwirtschaftlichen Ausbaus der Netzbe­treiber innerhalb der nächsten 3 Jahre mind. 30 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen.

 

Lediglich für 4 Unternehmen konnte lt. den vorliegenden Informationen kein konkret geplanter Ausbau festgestellt werden. Durch den verdichteten Netzausbau besteht jedoch auch hier die Möglichkeit indirekt von dem verbesserten Breitbandnetz zu profitieren.

 

Mit den Betrieben wird derzeit Kontakt aufgenommen.

 

Finanzierung:

 

Finanzielle Auswirkungen

jährliche Folgelasten

 

 

nein

x

ja

Gesamtkosten

14.500 € /netto

 

nein

x

ja

1200 €/netto

Veranschlagung im Haushalt

 

 

nein

x

ja

Hst. 7910.6385.0000

Budget-Nr. 80000

im

x

Vwhh

 

Vmhh

wenn nein, Deckungsvorschlag:

 

Auswertungsbericht Fürth