Unbefristete Fortführung der Fachstelle TANDEM ab dem 01.01.2019

Betreff
Unbefristete Fortführung der Fachstelle TANDEM ab dem 01.01.2019
Vorlage
JgA/370/2018
Art
Beschlussvorlage - SB
Untergeordnete Vorlage(n)

1. Der Jahresbericht 2017 der Fachstelle TANDEM wird zur Kenntnis genommen.

 

2. Der Ausschuss spricht sich für die unbefristete Fortführung der Fachstelle TANDEM im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien aus.

     Aktuelle Arbeitsmarkt-Programme sind stets dann zu berücksichtigen, wenn diese die Zielgruppen von TANDEM umfassen und eine Refinanzierung der notwendigen Personalkosten möglich ist.

 

Das Projekt TANDEM wurde bei den Haushaltsberatungen 2017 dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien als Fachstelle TANDEM zugeordnet und auf zwei Jahre befristet bis zum 31.12.2018 verlängert. Der Arbeitserfolg hält an, weshalb nach nun insgesamt acht Jahren Laufzeit die Fachstelle dauerhaft etabliert werden soll. Die Mitarbeiterinnen wurden mehrfach befristet fortbeschäftigt.

 

Die Stelle der zweiten Sozialpädagogin mit 39 Std./Wo, Stellenplannummer 40054, wird seit Januar 2017 durch das Jobcenter finanziert. Auf der 24. Trägerversammlung vom 23.04.2018 wurde diese Stelle entfristet und dauerhaft für TANDEM zur Verfügung gestellt.

 

Trotz rückläufiger Zahlen in der Arbeitslosenstatistik sind die Zahlen der Langzeitarbeitslosen in Fürth noch immer besorgniserregend hoch. Laut Statistik der BA betrug im Mai 2018 die Anzahl der Langzeitarbeitslosen im SGB II 1.133 Personen, das entspricht einem Anteil von 47,6%. Diese Zahlen bestätigen, dass die Fachstelle TANDEM noch über viele Jahre hinweg  benötigt wird, um den Erwachsenen neue gesellschaftliche und berufliche Teilhabechancen zu eröffnen und deren Kinder vor negativen Entwicklungen zu schützen. Auch Gisela Scherer, die Geschäftsführerin operativ der Bundesagentur für Arbeit, sieht das in einem Interview der Nürnberger/Fürther Nachrichten vom 1.Mai 2018 ähnlich: Seit Ende 2014 hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosigkeit in unserer Region erfreulich entwickelt. Das zeigt, dass der präventive Ansatz wirkt. Wir organisieren umfassende Unterstützung über den Bewerbungsprozess hinaus, damit Langzeitarbeitslosigkeit erst gar nicht entsteht. Doch es ist schon absehbar, dass ein weiterer Abbau noch intensivere Bemühungen erfordert.

 

 

Bilanz 2017

 

Die nachfolgend beschriebenen Ergebnisse sind in ausführlicher Form im Jahresbericht 2017 nachzulesen (siehe Anlage).

 

Noch immer trägt die Fachstelle zur Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit im SGB II bei. Im Jahr 2017 wurden von 69 erwerbsfähigen Hilfebedürftigen insgesamt 27 beruflich integriert:

  • Aufnahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung:         15        (21,7%)
  • Vermittlung in eine SGB II – Qualifizierungsmaßnahme:           9        (13%)
  • Aufnahme einer Berufsausbildung:                                                1
  • Aufnahme geförderter Stellen nach §16e SGB II:                         2

 

Die 27 berufsorientierten Vermittlungen ergeben eine Eingliederungsquote von 39,1%. Diese Quote stellt die Vergleichsquote zu jenen der vergangenen Jahre dar.

 

Im Jobcenter wurden erneut die Daten des Leistungsbezugs nach dem SGB II abgefragt. Von 35 im Jahr 2017 beendeten Personen waren zum Stand 31.12.2017

  • 14 nicht mehr im Leistungsbezug nach SGB II (40%)
  • 10 bekamen ergänzende Leistungen (28,6%)
  • 11 erhielten die vollen Leistungen (31,4%)
    • davon sechs Personen in einer Arbeitsgelegenheit oder Qualifikationsmaßnahme

 

Damit ermöglichte die Fachstelle TANDEM bei 68,6% der Bedarfsgemeinschaften ein wieder geregeltes Leben ganz oder teilweise ohne Leistungsbezug des Jobcenters.

 

Den Familien wurden wieder gemeinsame Unternehmungen angeboten, um allen Familien-mitgliedern neue Ideen und Impulse zu geben. So ging es zum Erfahrungsfeld der Sinne oder den Tiergarten in Nürnberg und hörten dem Nürnberger Christkind zu. Die Mehrheit empfand die Gesellschaft in einer Gruppe als positives Erlebnis. Wir erreichten bis zu 31 Kinder und 33 Erwachsene pro Veranstaltung.

 

23 Erwachsene und 35 Kinder wurden individuell und sozialintegrativ gefördert. Schwerpunkte bei den Erwachsenen waren die Verbesserung der Deutschkenntnisse, Sport- und Gesundheitsangebote sowie Kurse zur Vorbereitung auf eine Berufsausbildung oder VHS-Kurse.

Die Kinder lernten vergnügt Schwimmen oder eine Sportart, erhielten individuelle Lern-förderung, Tanz- oder Kletterkurse oder Kunst- und Musikangebote.

 

Bei 22 Personen (32%) wurde ein psychologischer Beratungsbedarf festgestellt.

Sieben Mütter und ein Mädchen konnten zu niedergelassenen Psychotherapeuten in Fürth weitervermittelt werden. Eine andere Mutter wurde gemeinsam mit ihrer Tochter zu einem stationären Aufenthalt in eine Mutter-Kind-Klinik geschickt. Weitere Vermittlungen erfolgten zu einer Mutter-Kind-Kur, der Erziehungsberatungsstelle, der ADHS Ambulanz im Klinikum Nürnberg oder den Familienpatenschaften des Mütterzentrums.

 

Fürth bundesweit

 

TANDEM hat als „bundesweit einmaliges Modellprojekt“ begonnen. Inzwischen haben wir uns zu einem „bundesweit einmaligen Vorzeigeprojekt“ entwickelt. TANDEM breitet sich aus. Unser Fürther Konzept stand bisher Pate für die Länder Brandenburg, Sachsen und Bayern. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht…

 

2015 stieg das Land Brandenburg in die Umsetzung von TANDEM ein. In der Fachveran­staltung am 30.11.2018 „Beraten, Begleiten, Integrieren – Förderansätze für Langzeit­arbeitslose und Familien mit Unterstützungsbedarf“ sollen erste Ergebnisse vorgestellt und neu mitwirkende Kommunen und Landkreise präsentiert werden. Herr Ohlsen ist eingeladen ein Impuls-Referat zu halten und an einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern u.a. des BMAS, diverser Landesministerien, Regionaldirektionen der BA und Projektträger teilzunehmen.

 

2017 übernahm der Freistaat Sachsen unser Konzept nahezu 1:1. Die folgende E-Mail vom 14.06.2018 von Helmut Stier, dem Leiter des Referats 22 Arbeitsmarkt- und Beschäftigungs­politik des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Dresden spricht für sich:

 

„Lieber Herr Ohlsen,

 

seit diesem Monat läuft nun die Programmumsetzung von TANDEM-Sachsen in allen neun Landkreisen und kreisfreien Städten, die sich als Modellregionen beteiligen. Dabei handelt es sich um die Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie die Landkreise Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Bautzen, Görlitz, Meißen und Nordsachsen.

 

Diesen Anlass möchte ich nutzen und mich nochmals ganz herzlich bei Ihnen und dem Projektteam von TANDEM in Fürth für die überaus wertvolle Unterstützung bedanken. Der Besuch in Fürth war für uns sehr wichtig, um einen Eindruck zu gewinnen, wie das Programm funktioniert und Ihre Präsentation bei der Projektvorstellung in Dresden hat ganz wichtige Überzeugungsarbeit geleistet. Wir hoffen nun auf eine erfolgreiche Umsetzung in Sachsen und sind auf die Ergebnisse gespannt.

 

Ich wünsche Ihnen und dem TANDEM-Team in Fürth auch weiterhin viele Erfolge und Freude bei der Arbeit.

 

Mit freundlichen Grüßen aus Dresden

 

Helmut Stier

Referatsleiter

SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, ARBEIT UND VERKEHR

 

Kosten der Fachstelle

 

Personalkosten    (Tabelle Personaldurchschnittskosten 2018)

Stelle 40051 Sozialwissenschaftlerin (20 Std./Wo):             EGr 10              38.103 €

Stelle 40055 Sozialpädagogin (30 Std./Wo):                        EGr S12            52.538 €

Stelle 40057 Psychologin (25 Std./Wo):                               EGr 13              58.782 €

ZWISCHENSUMME:                                                                                           149.423 €

 

Sozialintegrative Förderung der Kinder und Erwachsenen:                                   30.000 €

Sachkosten                                                                                                                 14.000 €

Fortbildungs- und Reisekosten                                                                                  2.000 €

Mietkosten inkl. NK                                                                                                             18.814 €

innere Verrechnung ITK                                                                                           7.200 €

 

GESAMTKOSTEN:                                                                                              221.437 €

 

Hinweis: Die Fachstelle TANDEM ist am 06.06.2018 in die Flößaustraße 22 umgezogen. Die Mietkosten betragen lt. GWF 1.241,18 € Kaltmiete zzgl. 326,63 € NK.

 

 

Finanzierung:

 

Finanzielle Auswirkungen

jährliche Folgelasten

 

 

nein

x

ja

Gesamtkosten

Siehe Sachverhalt

 

nein

x

ja

221.437

Veranschlagung im Haushalt

 

 

nein

x

ja

Hst.      

Budget-Nr.      

im

x

Vwhh

 

Vmhh

wenn nein, Deckungsvorschlag:

 

Jahresbericht 2017 der Fachstelle TANDEM