Umbau und Neugestaltung des Rundfunkmuseums Fürth

Betreff
Umbau und Neugestaltung des Rundfunkmuseums Fürth
Vorlage
Rf. IV/044/2019
Art
Beschlussvorlage - AL
Untergeordnete Vorlage(n)

 

  1. Das Rundfunkmuseum Fürth soll bis 2023 sowohl baulich als auch in Bezug auf die Ausstellung neu gestaltet werden mit dem Ziel, „Deutsches Rundfunkmuseum“ zu werden:

  2. Die Verwaltung wird beauftragt, vorbehaltlich einer vergaberechtlichen, beihilferechtlichen und steuerrechtlichen Prüfung, ein entsprechendes Konzept zur Realisierung zu erstellen. Eine Kooperation mit der Kulturstiftung ist zu prüfen.

  3. Sobald ein Konzept für die Kooperation mit der Kulturstiftung gefunden werden konnte, wird diese beauftragt, in Abstimmung mit dem Rundfunkmuseum ein Planungskonzept inklusive einer Kostenschätzung zu entwickeln und die hierfür notwendigen Architekten und Fachplaner einzubinden. Die Kulturstiftung ermittelt die hierfür entstehenden Kosten. Diese werden nach Prüfung durch die Stadt Fürth der Kulturstiftung erstattet.

 

Auf Grundlage dieses Konzeptes erfolgt die abschließende Beschlussfassung über den Umfang und die Finanzierung der Maßnahmen im Stadtrat.

 

Ausgangslage

Mit Antrag vom 22.05.2019 beantragt die SPD-Fraktion die „Weiterentwicklung des Rundfunkmuseums zum ‚Deutschen Rundfunkmuseum‘ “ (Anlage). 

Im Kulturausschuss vom 06.06.2019 wurde seitens der Verwaltung ein entsprechender Zwischenbericht abgegeben.

Die Stadtratsvorlage dient dazu, die notwendigen Schritte zur Realisierung des Projekts in die Wege zu leiten.

Das Rundfunkmuseum Fürth ist ein wichtiges Standbein der Fürther Kulturlandschaft. Als ein großes Spezialmuseum am authentischen Ort, dem ehemaligen Firmengelände von Grundig, vermittelt es die Geschichte des Rundfunks und der Unterhaltungselektronik. Mit ca. 11.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr (2018) steht das Thema im Interessensfokus der lokalen sowie regionalen Bevölkerung und hat auch überregionale Strahlkraft.

Jedoch:

Die Dauerausstellung des Rundfunkmuseums ist, nachdem sie im Jahr 2000 eingerichtet wurde, veraltet und entspricht nicht mehr aktuellen musealen Anforderungen. Um zukunftsfähig zu sein, bedarf sie einer Anpassung an moderne Museums- und Besucherstandards. Gleichermaßen bedarf die bauliche Substanz des Hauses einer Überholung (z.B. energetische Sanierung), genauso wie die technischen Gegebenheiten (Licht, Strom).

So gibt es von musealer und baulicher Seite den Bedarf, grundlegende Maßnahmen zu ergreifen. Mit der Neugestaltung des Rundfunkmuseums gehen diese Maßnahmen Hand in Hand, sodass ein ganzheitlicher Umgestaltungsprozess erfolgt.

Zielsetzung

Durch die Neugestaltung der Dauerausstellung des Rundfunkmuseums entsteht am authentischen Ort ein modernes Museum, das lokale, regionale und nationale Bedeutung erlangt. Hierzu können die idealen Voraussetzungen vor Ort (etablierter Standort, umfangreiche Sammlung, vorhandene Infrastruktur etc.) genutzt und ausgebaut werden. Der einmalige historische Hintergrund bildet die Basis, um das Rundfunkmuseum als Alleinstellungsmerkmal in der Bundesrepublik Deutschland zu etablieren. Ziel ist es, die geplanten Maßnahmen im Bestand zu realisieren.

Insgesamt wird es bei der Neugestaltung darum gehen, das Museum als Gesamtkonzept „neu zu denken“ und dabei bewährte Elemente sinnvoll und gewinnbringend einzubringen.  Das Haus soll als offener Ort, als sozialer Treffpunkt und kultureller Bildungsort fungieren und damit gegenüber potentiellen Zielgruppen sehr breit aufgestellt sein. Es soll das Konzept der „Dritten Orte“ („Third Spaces“) umgesetzt werden. Der Soziologe Ray Oldenburg beschreibt diese Orte als einladende Orte, die neben dem ersten Ort (Wohnung) und dem zweiten (Arbeitsplatz) einen Ort der Information und Unterhaltung bieten, an denen man sich wohlfühlt. Derartige Orte tragen zur lebendigen Gemeinschaft bei, sind niedrigschwellig angelegt und offen sowie inklusiv für alle Mitglieder der Gesellschaft.

So wird es bei der Neugestaltung des Rundfunkmuseums darum gehen, nicht nur die Themen und Vermittlungsmethoden der Ausstellung zu modernisieren und kurzweilig, interessant und vielseitig zu präsentieren, sondern das Haus insgesamt diesen Zielen nach zu gestalten. Dies beinhaltet die Umgestaltung des Eingangsbereiches sowie des Museumscafés und des -ladens, der sanitären Anlagen und der museumspädagogischen Räume (z.B. Seminarraum, Medienwerkstatt, Lötwerkstatt). Ein gestalterisches Gesamtkonzept ist hier von Nöten und soll umgesetzt werden.

Bei der Umgestaltung der Ausstellungsräume wird es darum gehen, einzelne Themen, die bislang unterrepräsentiert sind, stärker zu bespielen. Dies dient nicht nur dazu, das Thema Rundfunk aus vielseitigen Perspektiven zu beleuchten, sondern auch der Attraktivitätssteigerung verschiedener Zielgruppen.

Ziel ist, die Technik- sowie die Kulturgeschichte des Rundfunks gemeinsam zu erzählen und gegenseitige Einflussfaktoren dazulegen. Dazu gehört auch, die Mediengeschichte des 19., 20. und 21. Jahrhunderts als eine der wichtigsten langfristigen Entwicklungen darzulegen. Medien, Medienkompetenz und -landschaft sind als Themen aktueller denn je und werden auch in Zukunft Teil des Alltags sein. Es geht daher nicht nur um die reine historische Ausstellung von Radios und Fernsehgeräten, sondern zielt ab auf Technik-, Sozial- und Kulturgeschichte und deren zukunftsweisende und zukunftsgerichtete Entwicklung, beispielsweise durch Internet, digitale Medien u.v.m. Dies soll auch im und durch das Museum verkörpert werden. Kindern und Jugendlichen die Medienlandschaft näher zu bringen, sie an den Umgang mit Medien heranzuführen und die Komplexität der Wirkweisen von Medien zu vermitteln, ist Ziel der Ausstellung. Sie stellt die Bedeutung des Rundfunks für die Gesellschaft als Informations- und Unterhaltungsmedium heraus.

Zur ansprechenden, zeitgemäße Aufbereitung von technischen und historischen Informationen, gehört ebenso die Integration partizipativer Elemente in der Ausstellung. Das Museum soll gleichermaßen als Ort des Lernens, Staunens und Experimentierens fungieren.

Ein wichtiges Element besteht hierbei aus der parallelen Vermittlung von (Kultur-)Geschichte und Technik. Diese beiden Aspekte greifen ineinander und werden parallel behandelt, sodass die Tragweite der technischen Entwicklungen und die bis heute andauernde Bedeutung der Medienentwicklung nachvollzogen werden können. Natur-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften in einem Haus vereint stellt eine museale Besonderheit dar, die besondere Chancen bietet. Besonders für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wie Berufsschüler und Studierende ergibt sich die Möglichkeit, technische Grundlagen (im „MINT-Bereich“) selbst auszuprobieren und zu verstehen. Erhalten bleibt die hohe Attraktivität für besonders interessierte Personengruppen, wie z.B. ehemalige Mitarbeitende der Firma GRUNDIG.

So ist es nicht nur das Ziel, das Rundfunkmuseum als Bildungsort, sondern auch als Erlebnisort zu etablieren. Neben der musealen Wissensvermittlung spielen Identitätsbildung und Emotionalisierung eine bedeutende Rolle. Die eben benannten partizipativen Elemente sollen den vielseitigen Zielgruppen ermöglichen, an eigene Erfahrungen und vorhandenes Wissen anzuknüpfen und diese zu erweitern.

Emotionen und Erinnerungen spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der Themen. Im Fokus steht damit die Beziehung zwischen Menschen und „ihren“ Geräten, die individuelle Anknüpfungspunkte bietet. „Rundfunk“ wird heute täglich von beinahe jedem Menschen genutzt, sodass es ein sehr niedrigschwelliges Thema darstellt, zu dem viele Menschen leichten Zugang finden und schnell Interesse entwickeln können. Daher erweitert die neue Dauerausstellung den Blickwinkel auf die Museumsobjekte. So wird es nicht darum gehen, „nur“ Geräte auszustellen. Vielmehr soll die kulturelle Dimension, das heißt die Nutzungsgeschichte und „Objekt“geschichte („Weg“ der Objekte von Entwicklung und Idee, Produktion, Vertrieb über Handel bis Konsum, Umgang, Abgabe) verstärkt in den Fokus zu rücken.

Durch die Neugestaltung des Rundfunkmuseums Fürth entsteht ein überregionales, deutschlandweites Aushängeschild der Rundfunkgeschichte. Die Stadt Fürth bewahrt die Geschichte dieser Branche und macht diese für die breite Bevölkerung erlebbar. An einem sozialen, einem musealen, einem wissenschaftlichen und attraktiven Ort – dem neu gestalteten Rundfunkmuseum.

 

Umsetzung des Projekts, Schätzung der Projektkosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Da das Baureferat, insbesondere durch Schulbauprojekte, keine Ressourcen für dieses Kulturprojekt besitzt, schlägt Referat IV vor, dieses Projekt in enger Abstimmung mit der Kulturstiftung Fürth zu realisieren. Bereits beim Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Franken konnten hier gute Erfahrungen gesammelt werden

Die Verwaltung wird beauftragt, ein entsprechendes Konzept zur Realisierung zu erstellen. Eine Kooperation mit der Kulturstiftung ist zu prüfen.

Sobald ein Konzept für die Kooperation mit der Kulturstiftung gefunden werden konnte, wird diese beauftragt, in Abstimmung mit dem Rundfunkmuseum ein Planungskonzept inklusive einer Kostenschätzung zu entwickeln und die hierfür notwendigen Architekten und Fachplaner einzubinden.
(Hinweis) Eine erste Kostenschätzung der Kulturstiftung geht in Höhe von brutto 172.550 € aus, die der Kulturstiftung seitens der Stadt Fürth nach Prüfung zur Verfügung gestellt werden müssten. Diese wird ebenfalls geprüft.

Von den bisher grob geschätzten Kosten sollen zu 1/3 über Drittmittel eingeworben werden.
Hauptpartner für Fördermittel ist die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. Diese ist über das Projekt bereits informiert und steht für eine beratende wissenschaftliche Begleitung zur Verfügung.
Kooperationspartner aus dem Bereich der Wirtschaft sind Medien und einschlägige Unternehmen. Des Weiteren ist zu prüfen, inwieweit Bundes- oder Landesmittel zur Verfügung stehen.
Ergänzend wird das Projekt von einem professionellen Fundraising begleitet. Wichtige Partner sind der Förderverein des Rundfunkmuseums,
die Grundig-Stiftung, lokale Firmen und Stiftungen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Für die Dauer des Projektes wird ein Steuerkreis Fundraising installiert, der das Fundraising begleitet, steuert und bewertet.

 

Finanzierung:

 

Finanzielle Auswirkungen

jährliche Folgelasten

 

 

nein

X

ja

Gesamtkosten

172.550

 

nein

 

ja

     

Veranschlagung im Haushalt

 

 

nein

 

ja

Hst.      

Budget-Nr.      

im

 

Vwhh

 

Vmhh

wenn nein, Deckungsvorschlag: