Entfällt, da Kenntnisnahme
Das Thema Tauben in der Innenstadt hat den Umweltausschuss in der Vergangenheit wiederholt beschäftigt, zuletzt in der Sitzung vom 20.07.2023, Vorlage OA/0591/2023. Thematisiert wurde dabei regelmäßig auch die Errichtung eines betreuten Taubenhauses; eine sehr sinnvolle Maßnahme, deren Umsetzung jedoch bislang wegen der sehr schwierigen Standortfindung nicht angegangen werden konnte. Nun hat sich durch eine dankenswerte Initiative der WBG der Stadt Fürth sowie der Taubenhilfe Fürth eine sehr erfreuliche Entwicklung ergeben, über welche nachfolgend berichtet wird.
Ein bislang nicht genutzter Dachboden eines Anwesens der WBG in der Gartenstraße wurde zu einem Taubenschlag umgebaut. Kotspuren auf diesem Dachboden haben gezeigt, dass Tauben diesen Raum bereits vor dessen Umbau genutzt haben.

Bild 1:
Dachboden vor dem Umbau
Der
künftige Taubenschlag wurde zunächst mit einer Wand vom verbleibenden Dachboden
abgetrennt. Damit die Tauben in den Taubenschlag gelangen können, wurde das
kleine Dachflächenfenster (im Bild 1 rechts zu erkennen) durch eine Dachgaube
ersetzt. An der Wand am Ende des Dachbodens wurden Nistmöglichkeiten für 30
Taubenpaare untergebracht. Weiter wurden in dem Raum Stangen als
Sitzmöglichkeiten für Tauben angebracht. Eine Voliere dient der Eingewöhnung
der Tauben im Taubenschlag, zudem können dort auch kranke Tiere untergebracht
werden. Die Umbaukosten sowie die Kosten für den Betrieb des Taubenhauses trägt
die Stadt Fürth.

Bild 2: Vom
Dachboden abgetrennter Taubenschlag

Bild 3: eingebaute
Dachgaube
Bild 4: Dachgaube (Außenansicht)

Bild 5: Nistmöglichkeiten
Bild 6: Voliere
Die Betreuung des Taubenschlages erfolgt ehrenamtlich durch die Taubenhilfe Fürth. Hierzu haben WBG und Taubenhilfe eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, welche die Betreuung der Tauben sicherstellen und die Verantwortlichkeiten klar regeln soll. Damit die Tauben den Taubenschlag annehmen und besiedeln, kommen Locktauben zum Einsatz, die anderen Tauben den Weg in den Taubenschlag zeigen sollen. Die Versorgung der Tauben im Taubenschlag mit Futter und Wasser erfolgt durch die Taubenhilfe Fürth. Diese ersetzt sobald die Tauben zu brüten beginnen die Eier im Gelege durch Gipsattrappen, um eine nachhaltige und tierschutzgerechte Reduzierung der Population zu erreichen.
Weiter dokumentiert die Taubenhilfe, wie viele Eier entnommen wurden, wie viel Futter benötigt wurde und wie viel Kot angefallen ist. Anhand dieser Größen kann der Erfolg des Taubenhauses transparent evaluiert werden.
Das Taubenhaus ist Anfang August 2025 in Betrieb genommen worden. In der örtlichen Lokalpresse wurde darüber mehrfach ausführlich berichtet, zuletzt auch online auf nordbayern.de am 17.08.2025: Fürth geht liebevoll gegen Tauben-Überpopulation vor - könnte das Modell Schule in Franken machen? (aufgerufen am 02.09.2025). Ebenso wurde das Projekt auf der Homepage der WBG vorgestellt: WBG Fürth | Eine Lösung für Mensch und Tier: WBG und Stadt setzen auf… (aufgerufen am 02.09.2025).
Erfreuliche Nachricht: Die ersten Tauben haben den Taubenschlag bereits in Besitz genommen, so auch die überlebenden Tauben des Tierschutzverstoßes aus der Theaterstraße von Anfang August.

Bild 7: Die ersten Tauben fühlen sich sichtlich wohl im neuen
Zuhause
Es bleibt nun zu hoffen, dass sich durch diesen betreuten Taubenschlag die Situation im Rathausumfeld sowohl für die Tauben, als auch für die Eigentümer/innen der betroffenen Anwesen nachhaltig verbessert.
Exkurs: Chemische
Bestandsregulierung der Tauben
Zur
chemischen Sterilisation von Stadttauben sind grundsätzlich verschiedene
Produkte auf dem Markt verfügbar. Bei allen Präparaten steht die Senkung der
Nachwuchsrate im Vordergrund. Eingesetzt werden z.B. die sog. Taubenpille
(Hormone: Östrogen/Gestagen Kombinationen) oder die nicarbazinhaltigen
Präparate „OvoControl P“ oder „Ovistop“ (amerikanischer Hersteller). Beide
Stoffgruppen führen über unterschiedliche biologische Wege im Organismus der
Taube zu einer temporären Unfruchtbarkeit: Die Taubenpille wirkt hauptsächlich
über die Unfruchtbarkeit der männlichen Taube, wohingegen „OvoControl P“ und
„Ovistop“ die Bildung der Eier unterdrücken. Allen Präparaten ist gemeinsam,
dass sie kontinuierlich und in der notwendigen Wirkdosis vom Taubenorganismus
aufgenommen werden müssen, damit ein spürbarer Effekt als Kontrazeptivum
erreicht wird.
Beide
Präparate sind jedoch derzeit für den Einsatz der Taubenminimierung in
Deutschland nicht zugelassen.
Lediglich „Ovistop“ ist in Italien zugelassen und könnte deshalb nach
EU-Tierarzneimittelrecht für die Anwendung in Deutschland „umgewidmet“ werden.
Die
wirksame Applikation dieser Präparate erfordert einen konsequenten und gut
kontrollierten Einsatz. Durch eine
willkürliche Verabreichung über das Futter kann eine individuelle Behandlung
der einzelnen Tiere nicht erfolgen, wodurch eine Überdosierung mit
entsprechenden Nebenwirkungen (z.B. Leberverfettung, verminderte Hitzetoleranz)
nicht ausgeschlossen werden können. Es ist daher fraglich, ob der Einsatz
dieses Präparates aus tierschutzrechtlicher Sicht vertretbar erscheint.
Die
Taubenhilfe Fürth lehnt aus diesem Grund die Verabreichung von Ovistop in dem
von ihr betreuten Taubenschlag ab; eine Einschätzung, welche im Ergebnis auch
wegen der damit verbundenen Kosten durch die Verwaltung geteilt wird.
Finanzierung:
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Finanzielle Auswirkungen |
jährliche Folgelasten |
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X |
nein |
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ja |
Gesamtkosten |
€ |
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nein |
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ja |
€ |
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Veranschlagung im Haushalt
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nein |
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ja |
Hst. |
Budget-Nr. |
im |
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Vwhh |
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Vmhh |
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wenn nein,
Deckungsvorschlag: |
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